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Vascutek Xxtraforum - Der interessante OP-Bericht

 
Der interessante OP-Bericht

In dieser Bibliothek mit OP-Techniken stehen Ihnen zur Zeit die folgenden Artikel zur Verfügung:

Implantationstechnik von PTFE-Loops zur Dialyse

Aneurysmaresektion und Ersatz der gesamten abdominalen und distalen thorakalen Aorta mit einer Multi-Branch-Prothese

 
     
 
Venöse Anastomose
Abb.1
Venöse Anastomose, Klemmen mit Minibulldogs, Anastomosenlänge 20 mm, Messgerät mit mm-Einteilung

 

Arterielle Anastomose
Abb. 2
Arterielle Anastomose, venöser Rückstrom zum Füllen der Prothese

 

Arterielle Anastomose fertiggestellt
Abb. 3
Arterielle Anastomose fertiggestellt, kurze Anastomosenlänge ausreichend (Z. n. früherer AV-Fistelanlage im Op.-Gebiet)

 

Venöse Anastomose nach Freigabe des Blutstroms
Abb. 4
Venöse Anastomose nach Freigabe des Blutstroms

Implantationstechnik von PTFE-Loops zur Dialyse

Fallstricke und Tipps
Leider wird die Dialyse-Shuntchirurgie häufig immer noch als eine Anfängeroperation betrachtet und zur Ausbildung in den "ersten Schritten" der Gefäßchirurgie benützt. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Shuntchirurgie ist keinesfalls Anfängergefäßchirurgie, sondern verlangt große Erfahrung und ausgefeilte Technik.

Auch die klassische AV-Fistel nach Cimino-Brescia hat ihre Probleme und Tücken. Doch soll dies hier nicht vertieft werden.

Der Dialyse-Loop mit Gefäßprothesen ist eine technisch schwierige Operation, die exakt geplant und metikulös ausgeführt werden muss.

Der Focuspunkt der Problematik ist die venöse Anastomose.

Aus diesem Grund ist dies auch die Anastomose, die zuerst angelegt werden muss.

Entsprechend große Venenkaliber findet man praktisch erst ab der Ellenbeuge nach proximal, so dass hier die häufigsten Implantationsorte sind. Es ist jedoch technisch anspruchsvoll, unter strikter Einhaltung einer no touch Technik, eine kaliberstarke Gefäßprothese (6 bis 8 mm Durchmesser) auf eine zarte und sehr elastische Vene (3-10mm) zu nähen.

Eine präoperative Farb-Duplex-Untersuchung ohne und mit Stauung ist unverzichtbar.

Die Anastomosenlänge sollte m.E. mindestens 20 mm betragen. Hier ist fast eine Messung notwendig, da man intraoperativ die Länge seiner Anastomose überschätzt und meistens deutlich unter dem erwähnten Richtwert liegt. Nahtmaterial sollte der Stärke 6/0 oder 7/0 sein. Die Instillation von lokaler Heparin-Kochsalzlösung in die Vene vermeide ich, bevorzuge stattdessen die Gabe von ca. 2000 bis 3000 IE Heparin i.V. (entsprechend dem Gewicht des Patienten).

Die Vene wird nicht berührt und nur mit Minibulldogs geklemmt.

Die Nahttechnik entspricht einer klassischen End-zu-Seit-Anastomose, wobei an Ferse und Spitze der Prothesenanastomose bereits die häufigsten Fehler gemacht werden.

Hier ist exakt darauf zu achten, dass die Stichabstandstrecke in der Prothese und in der Vene möglichst gleich lang sind, so dass nicht durch eine Raffung die Vene, die ja sehr elastisch ist, hier die bekannten Stenosen, die an diesen Stellen sowieso durch die Intimahyperplasie auftreten können, bereits durch nahttechnische Fehler verursacht sind. Die venöse Anastomose wird völlig komplettiert, ohne dass ein Flushmanöver durchgeführt wird. Danach erfolgt das Tunneln der Prothese.

Ein häufig begangener Fehler besteht im Durchspülen der Prothese mit Heparin-Kochsalzlösung. Dies ist unsinnig und beschädigt die negative Oberflächenladung der PTFE-Prothese, unterbricht die erwünschten Lufteinschlüsse im PTFE, die bei der Blutdurchströmung die Abdichtung gewährleisten. Durch Heparinspülung der Prothese können vermehrt die ausgeprägten Postimplantationsödeme verursacht werden, die auf eine Ultrafiltration durch die Prothese hervorgerufen werden. Aus dem gleichen Grund muss jegliches Klemmen der PTFE Prothese gemieden werden, da an den lokalen Klemmstellen, und dies hat jeder erfahrene Dialyse-Shuntchirurg schon beobachtet, eine sichtbare Ultrafiltration auftritt. Durch den Klemmvorgang wird ebenfalls die Luftbarriere der PTFE-Prothese durchbrochen.

Das Tunnelieren ist ebenfalls ein sorgfältig und ganz überlegt durchzuführender Vorgang, da die Prothese natürlich ohne Kinking ohne Verdrehung und auch in der richtigen Höhe weder zu dicht unter der Haut, noch zu tief im Unterhautfettgewebe durchgeführt werden muss. Während des gesamten Tunneliervorgangs bleibt die Vene noch mit den Minibulldogs verschlossen.

Danach wird die arterielle Anastomose angelegt. Diese ist wegen der stärkeren Wandbeschaffenheit und der geringer ausgeprägten Elastizität wesentlich einfacher als die venöse Anastomose. Die arterielle Anastomose wird bis auf zwei drei Stiche fertiggestellt. Danach entfernt man die Minibulldogs von der venösen Seite und lässt die Prothese retrograd mit venösem Blut volllaufen. Auf ein arterielles Flushmanöver verzichte ich. Nach Fertigstellung der arteriellen Anastomose wird der Blutstrom in die Prothese freigegeben. Dadurch, dass der venöse Abstrom nicht behindert ist und auch kein Klemmen der Prothese stattfindet, kann sich kein hoher transmuraler Druck in der Prothese aufbauen und die optimale Abdichtung der Prothese ist gewährleistet.

Wegen des geringen peripheren Widerstandes bei einer ausreichend kalibrierten Abflussvene ist auch eine geringe Gefahr einer Thrombose des Dialyse-Loops gegeben. Zudem wurde, wie vorher erwähnt, intravenös Heparin verabreicht, so dass bei einer Operationszeit von etwa 30 min. immer noch eine ausreichende Antikoagulation besteht. Um Blutungen im Anastomosenbereich zu vermeiden kann zusätzlich nach dem Hautverschluss ein moderater Druckverband angelegt werden. Auf die Einlage von Drainagen verzichte ich üblicherweise.

Die SEALPTFE-Prothese hat den theoretischen Vorteil, dass sie die fast nur bei Nierenkranken auftretende, transmurale Ultrafiltration über die Prothese verhindert. Was ich im eigenen Krankengut feststellen konnte war, dass offenbar die Gelatineschicht, ähnlich wie wir es von gelatinebeschichteten Bifurkationsprothesen kennen, zu einer sehr guten Einheilung in das Umgebungsgewebe führt. Bei einem Frühverschluss eines solchen Loops, der im Zuge einer ausgeprägten, längerdauernden Kreislaufdepression auftrat, konnte ich bei der Thrombektomie nach 30 Tagen eine ungewöhnlich feste Einheilung im Umgebungsgewebe feststellen. Ein Effekt, der bei Dialyse-Loops natürlich äußerst erwünscht ist.

In Stichworten: Venöse Anastomose zuerst, kein Klemmen der Prothese, kein Spülen mit Heparin-Kochsalzlösung und kein arterieller Druck auf der Prothese, wenn nicht ein ungehinderter Abstrom gewährleistet ist.

Prof. Dr. Stefan von Sommoggy

 
     
 
Venöse Anastomose
Befund:
Dissektion der supra- und infrarenalen Aorta. Maximaler Durchmesser des falschen Lumens 5,5 cm.
Abgang der linken Nierenarterie aus dem falschen Lumen.
Arterielle Anastomose

 

Arterielle Anastomose fertiggestellt
OP-Skizze

Aneurysmaresektion und Ersatz der gesamten abdominalen und distalen thorakalen Aorta mit einer Multi-Branch-Prothese

Die nachfolgende Falldarstellung wurde uns freundlicherweise von Herrn Dr. med. G. Neumann, Klinik f. Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Klinikum Dortmund gGmbH, zur Verfügung gestellt.

Anamnese:
Eine 62-jährige Frau wurde im Juni 2003 wegen anhaltender Oberbauch- und Rückenschmerzen über acht Wochen eingewiesen. Die Beschwerden begannen am 07. April 2003 schlagartig, waren zunächst rückläufig, verstärkten sich aber nach 6 Wochen maßgeblich. An Vorerkrankungen wurden angegeben: Hypertonie, Hypercholesterinämie, Sigmadivertikulose.

Vorausgegangene Operationen:
Appendektomie, Varizen-Stripping bds., Strumektomie, Exstirpation eines Bauchdeckenlipoms.

Status:
62-jährige Patienten im guten, altersgerechten AZ, EZ. Gewicht 59 kg,
Größe 159. Keine Zeichen einer kardiorespiratorischen Insuffizienz.

Diagnostik:
Sonographie aller erfaßbaren Gefäße (Duplex) und Organe, UKG, CT-Thorax/ Abdomen, Angio-CT des Abdomens, Koronarangiographie, Rekto-Sigmoidoskopie.

Befund:
Dissektion der supra- und infrarenalen Aorta. Maximaler Durchmesser des falschen Lumens 5,5 cm.
Abgang der linken Nierenarterie aus dem falschen Lumen.

Therapie:
Indikation zur operativen Therapie wegen anhaltender Schmerzen, drohender Ruptur, Kompression der Nachbarorgane

Operation:
Aneurysmaresektion und Ersatz der gesamten abdominalen und distalen thorakalen Aorta mit einer Multi-Branch-Prothese der Fa. VASCUTEK unter Verwendung eines Linksbypass und kontinuierlicher Organperfusion mit der Herz-Lungen-Maschine (HLM).

Im Folgenden ist das operative Vorgehen schrittweise wiedergegeben:

1.
Lagerung der Patientin in 45° Seitenlagerung auf der rechten Seite
2.
Thorako-abdominaler Zugang links oberhalb des Leistenbandes beginnend in der medio-klavikularen Linie, den Rippenbogen durchtrennend mit Fortsetzung in einem geeigneten Interkostalraum.
· Extraperitonealer Zugang zur Bauchaorta und zu den Beckenarterien
· Durchtrennung des Zwerchfells am kostalen Ansatz unter Belassen eines Saumes
· Darstellung der distalen Aorta thoracica descendens
3.
Systemische Heparinisierung 300 IE/kg KG
4.
End-Seit-Anastomose der Y-Prothesenschenkel der Multi-Branch-Prothese mit den Beckenarterien
5.
Anschluß der HLM durch venöse Kanülierung der Aorta thoracica descendens
6.
Arterielle Kanülierung des vorgesehenen Seitarmes der Multi-Branch-Prothese
7.
Doppeltes Clamping der Aorta thoracica descendens im kurzen Abstand und Aufnahme des Linksbypass
8.
End-End-Anastomose zwischen dem zentralen Aortenstumpf und dem Hauptrohr der Multi-Branch-Prothese
9.
Clamping der Seitarme, Freigabe der Anastomose und der Prothese
10.
Verschluß beider Beckenarterien zentral der Bypassanastomosen
11.
Längsinzision des Dissektates der Aorta
12.
Umstechung der Lumbalarterien bei spritzendem Rückfluß
13.
Kanülierung aller Viszeralarterien und der Nierenarterien mit Ballon-Perfusionskatheter und Aufnahme der Organperfusion mit der HLM, Flow 170-280 ml jeweils
14.
Anastomosierung der Seitarme mit den Viszeralarterien End-End in der Reihenfolge Truncus coeliacus, A. mesenterica superior, rechte Nierenarterie, linke Nierenarterie und Freigabe des Blutflusses
15.
Beendigung des Linksbypass, Protamingabe
16.
Kürzung der infrarenalen Rohrprothese und Exzision des HLM-Seitarmes
17.
Thoraxdrainage, retroperitoneale Drainage
18.
Wundverschluß

Auf die Revaskularisation der Lumbal- und Interkostalarterien wurde bei sehr gutem Rückstrom verzichtet. Schnitt-Naht-Zeit: 5 Stunden.
Der postoperative Verlauf war komplikationslos. Die Extubation wurde nach 24 Stunden vorgenommen, die Fördermengen über die Drainagen betrug in dieser Zeit 175 ml. Die Patientin war psychisch und neurologisch vollkommen unauffällig. Die Nierenfunktion war ohne medikamentösen Anstoß normal. Die Fußpulse waren tastbar. Bis auf einen kurzzeitigen Anstieg von CK und LDH waren die postoperativen Laborwerte im Normbereich.
Antikoagulation: Marcumar®
Entlassung: 14. postoperativer Tag.